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Die Douglas DC-6 der Flying Bulls ist fit für die Zukunft

Jedes Jahr wird die DC-6 einem ca. acht-wöchigen vollständigen Check unterzogen. Neben dieser standardmäßigen Wartung wurden Anfang dieses Jahres (2020) viele hunderte Arbeitsstunden in den Avionik Umbau investiert, um das 1958 gebaute Flugzeug mit neuer Technik auszustatten.

Das seltene und besondere Juwel der Flying Bulls war immer schon bestens ausgerüstet, doch der jetzige Umbau bringt noch einmal eine Steigerung der technischen Ausstattung.

In Bezug auf die Instrumentenflugregeln ist die DC-6 absolut mit einem modernen Flugzeug vergleichbar. Für dieses Projekt wurden Dutzende Zeichnungen und Schaltpläne erstellt, neue Instrumenten Panels angefertigt und insgesamt rund 4 km Kabel neu verlegt. Das am häufigsten verwendete Kabel hat einen Außendurchmesser von 1,27 mm. Alle Kabel müssen einer für die Luftfahrt zugelassenen Spezifikation entsprechen.

Einbau eines neuen Navigationssystems

Als Hauptkomponente der Modifikation wurden zwei neue Navigationsgeräte eingebaut, die in das bestehende Avionik System integriert wurden. Die Navigationsgeräte stützen sich dabei auf GPS, können aber auch klassische (bodengebundene) Navigationssignale empfangen und verarbeiten. Ebenso neu installiert wurden zwei digitale Air Data Computer (DADC), die den Stau- und Außendruck sowie die Außentemperatur messen und diese Informationen digital an die Navigationsgeräte liefern. Somit wird die Genauigkeit und Integrität der Navigationsgeräte erhöht.  

Hat die DC-6 bisher auch allen technischen Anforderungen entsprochen, so eröffnen sich den Piloten dadurch neue Anflugverfahren auf diversen Flughäfen im internationalen Luftverkehr.

Einbau eines neuen Transponders

Ein Transponder-System gehört zu den absoluten Must-Haves in jedem Flugzeug. Im europäischen Luftraum wird für immer mehr Flugzeugkategorien das sogenannte „ADS-B Out“ zur Pflicht. Mit diesem System sendet das Flugzeug über den Transponder alle 1-2 Sekunden seine Position und weitere Daten aus.

Weiters sind diese Transponder auch „ADS-B In“ fähig, um die „ADS-B Out“ Signale anderer Flugzeuge zu empfangen und am Display für die Flugzeug-Crew darzustellen. Mithilfe dieses sehr modernen Systems ist jederzeit erkennbar, wohin sich das andere Luftfahrzeug tendenziell bewegt und in welcher Höhe sich dieses befindet. Dieser „Traffic“ wird auf der elektronische Karte der Navigationsgeräte dargestellt, und ermöglicht den Piloten anhand geografischer Referenzen eine schnelle visuelle Erfassung der anderen Luftfahrzeuge.

Es gilt als Teil der Entwicklung für den europäischen Luftraum und soll in Bezug auf Automatisierungsprozesse zukünftig die Air-Traffic-Kontrolle entlasten. Primär geht es vor allem um die Vereinfachung der Kommunikation und Koordination zwischen den Luftfahrzeugen.

Hochkomplexe Projekte

Aufgrund der Komplexität wurden die diesjährigen Arbeiten an der DC-6 in zwei Projekte unterteilt.   Ein Technik-Team führte die standardmäßige Wartung durch und der Avionik Umbau wurde von einem weiteren Technik-Team vollzogen. In Summe wurden rund 2.000 Arbeitsstunden in den Avionik Umbau investiert, dazu kamen noch mehrere hundert Arbeitsstunden des Projektteams für die Erstellung der technischen Dokumentation, der Zulassungsunterlagen sowie für das Projektmanagement.

Eine besondere Herausforderung war die Beibehaltung der Optik im Cockpit. Trotz der vielen neuen Funktionalitäten gibt es die Vorgabe, in historischen Flugzeugen wie der DC-6 die Optik beizubehalten. Diesbezüglich werden keine elektronischen Flight-Instruments sowie große Bildschirme verwendet. Die Fluginstrumente sind weiterhin analog und das Integrieren moderner Systeme sollte das Cockpit in optischer Linie nicht verändern. Aufgrund dessen musste auch ein vielfach höherer Planungs- und Installationsaufwand in Kauf genommen werden.

Die physischen Umbauten an der DC-6 wurden im Juni abgeschlossen. Im zweiten Teil des Projekts werden, in Abstimmung mit der Zulassungsbehörde, Nachweisflüge auf verschiedenen Flugplätzen und unter verschiedenen Bedingungen durchgeführt um das System auch im Flug auf Herz und Nieren zu testen. Der Abschluss dieser Arbeiten steht kurz bevor und schon bald darf das Kronjuwel der Flying Bulls wieder komplett durchstarten.

Impressionen

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