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    © Mirja Geh

Frédéric Akary

Ehemaliger Air-France-Kapitän und Kunstflugpilot

Story

Von Ambulanzflügen über den Inseln des Pazifiks über 38 Jahre bei der Air France bis hin zu einem Jet-Kampfflugzeug aus dem Kalten Krieg – Frédéric Akary hat die Luftfahrt auf eine Weise gelebt, wie es nur wenige Piloten je tun. Und mit The Flying Bulls ist bereits das nächste Kapitel bereit abzuheben. 
 

Manche Menschen werden in die Luftfahrt hineingeboren. Fred Akary ist einer von ihnen – zumindest, wenn es nach seinen Eltern geht. Schon als Baby sollen ihm Flugzeuge buchstäblich den Kopf verdreht haben, wenn er den Himmel nach ihnen absuchte. Später war sein Kinderzimmer voller Luftfahrtmagazine, die er kaum lesen konnte, und Balsaholzmodellen, die er mit eigenen Händen baute. Der Weg ins Cockpit verlief alles andere als geradlinig: keine Flugschule, sondern Schichtarbeit in einer Alkoholfabrik und nebenbei unzählige Stunden autodidaktischen Lernens, bis er sich seine Privatpilotenlizenz und – innerhalb eines Jahres – auch die Berufspilotenlizenz erarbeitet hatte. Was folgte, liest sich wie eine Mischung aus Abenteuerroman und Logbuch. Kunstfluglehrer und später Ambulanzpilot, der nachts ohne GPS und nur mit Kompass durch die Inselwelt Französisch-Polynesiens navigiert. Dann die Airline-Karriere: Caravelle, A320, Boeing 747 und schließlich als Head of Training für Boeing 737 und 777 verantwortlich für die Qualifikation von über 1.500 Piloten bei Air France. Und parallel dazu gab es immer dieses zweite Leben: Warbirds, die Arbeiten im Hangar – und schließlich der Jet aus dem Kalten Krieg, von dem er schon als Kind geträumt hatte. 
 

Interview

Fred, es heißt, manche Flugzeuge hätten eine Seele. Du hast das über die P-51 Mustang Moonbeam McSwine gesagt. Was meinst du damit?

FA: Von den 17.000 gebauten P-51 fliegen heute vielleicht noch 150. Warum gerade diese und nicht die anderen? Irgendetwas hält sie am Leben. Bei der Moonbeam hatte ich bei meinem dritten Flug ein Problem mit dem Kraftstoffventil – der Motor versagte im Gegenanflug. Ich konnte die Maschine landen, aber es fühlte sich an, als hätte sie mich zurückgebracht. Ich weiß, wie das klingt. Ich fliege die 777 – ich bin nicht gerade abergläubisch. Aber man spürt etwas. Und später habe ich herausgefunden, dass ein ehemaliger Kamerad des Kriegspiloten, dem die Mustang einst gehört hatte, zehn Jahre zuvor bei mir in der Gästepension übernachtet hatte – ohne dass wir den Zusammenhang kannten. Kurz darauf rief michein junger Mann an: Er wollte seinem 77-jährigen Großvater, einem ehemaligen französischen P-51- Piloten, noch einen letzten Flug in einer Mustang ermöglichen. Er kam in den Hangar, ich nahm die Augenbinde ab, er sah das Flugzeug – und wir beide weinten. Drei Monate später ist er gestorben. Sein Enkel erzählte mir, dass er sich im Krankenhaus jeden Tag das Video dieses Fluges angesehen hat. Nach seinem Tod fand der Enkel in einer Truhe einen Modellbausatz einer Mustang, den ihm sein Großvater 15 Jahre zuvor gekauft hatte – es war eine exakte Nachbildung der Moonbeam McSwine … seltsam, oder? Manche Flugzeuge tragen eine Geschichte in sich. Dieses tat es.

Und es hat dich schlussendlich auch zur Sabre geführt?

FA: Ja, indirekt – und durch den schwierigsten Moment meines Lebens. Vlado Lenoch war der frühere Besitzer der Mustang. Wir wurden enge Freunde. Ich flog mit der 777 nach Chicago, wir trafen uns zum Essen, tranken guten Wein und sprachen über Kunstflug und Fliegerei. Im Juli 2017 kam er bei einem Absturz ums Leben. Ich habe eine Woche lang geweint. Ich konnte nicht zur Beerdigung, also schickte ich einen großen Blumenstrauß – blau und weiß, die Farben der Mustang – unterschrieben mit Moonbeam McSwine. Paul Wood, Gründer der Warbird Heritage Foundation, sah diese Blumen und hat verstanden. Er kontaktierte mich und sagte: Wir möchten dieses Flugzeug zurück nach Amerika holen – im Andenken an Vlado. Ich sagte ja, aber unter einer Bedingung: Es sollte kein reiner Geschäftsabschluss sein. Ich wollte, dass es eine schöne Geschichte wird.

Und Paul Wood hat genau das möglich gemacht?

FA: Er ist ein Gentleman der alten Schule, durch und durch. Er zeigte mir seine Sammlung – und da stand eine F-86. Er sagte: Fred, das ist ein fantastisches Flugzeug – zuverlässig, wunderbar zu fliegen, gut beherrschbar, mit vielen Ersatzteilen. Und die F-86 war seit meiner Kindheit meine Traummaschine. Zwei Monate später haben wir uns per Handschlag geeinigt. Und er hat alles bezahlt: eine Woche auf der T-2 Buckeye, eine Woche auf der MiG-15, 42 Stunden Bodenschulung, alle Flugstunden auf der F-86, die FAAPrüfung. Alles. Denn wenn jemand deine Leidenschaft auf diesem Niveau teilt, geht es nicht ums Geld. Es geht um die Geschichte.

Was geht dir durch den Kopf, bevor du ins Cockpit steigst?

FA: Eine gewisse Anspannung ist wichtig. Man muss fokussiert sein auf das, was man vorhat – voll bei der Sache. Wenn man keinen Stress hat, passt man nicht auf. Im Auto kommt man vielleicht damit durch – im Flugzeug nicht. Aber wenn man gut ausgebildet und vorbereitet ist, bleibt die Anspannung klein und beherrschbar. Genau so soll es sein. Dann ist man bereit.

Was findest du so faszinierend an Warbirds?

FA: Ich habe zwei große Leidenschaften: Mechanik und Kunstflug. Warbirds verbinden beides perfekt. Es sind wunderschöne Maschinen, die echtes technisches Verständnis verlangen und gleichzeitig enorme Leistung bringen. Im Kunstflug hatte ich 300 PS bei 400 km/h. In einem Warbird hat man 1.500 PS und fliegt 300 Knoten – nicht km/h. Also begann ich mit einer Hawker Sea Fury, die ich in Südafrika kaufte undfünf Jahre flog. Dann kam die P-51 Mustang. Und schließlich die Sabre – mein Traum, seit ich zehn Jahre alt war.

Und die Sabre hat dich nun auch zu The Flying Bulls gebracht.

FA: Wir kennen uns seit Jahren – die Airshow-Welt ist klein. Als Fragen zur Sabre aufkamen, zum Fliegen und zur Wartung, entstand der Kontakt. Was mich aber am meisten bewegt: Seit 2019 arbeite ich jeden Winter 400 bis 450 Stunden allein im Hangar an diesem Flugzeug. Ich lerne es immer besser kennen, auch wenn man dafür viele Jahre braucht. Und jetzt kann ich es an ein Dreamteam übergeben, das sich mit derselben Hingabe und bestimmt noch mehr Expertise darum kümmern wird. Das ist kein Verkauf. Das ist die Fortsetzung einer Geschichte. Und ich fliege das Flugzeug weiterhin. Für mich ist das ein Traum, der weitergeht.

Du verlässt Air France 2026 nach 38 Jahren. Wie sieht das nächste Kapitel aus?

FA: Mein letzter Flug geht von Paris nach Los Angeles und zurück – eine meiner Lieblingsrouten. Man fliegt über England, Island und Grönland. Ich habe so viele Fotos von Grönland – diese weite Stille aus Eis und Bergen, die ins Meer abfallen. Dann die Mojave-Wüste, Las Vegas, der Grand Canyon. Das schönste Büro der Welt. Aber nach 38 Jahren, 18.000 Flugstunden und 18 Jahren auf der 777 ist es Zeit. Ich bevorzuge jetzt 12 Minuten bei fünf G statt 12 Stunden bei einem. Und mit The Flying Bulls kann ich Airshow-Displays in einem hochprofessionellen Umfeld fliegen. Das ist selten. Das ist etwas Besonderes.

Gibt es noch etwas auf deiner Bucket List?

FA: Ja. Ich bin elf Jahre lang die Sea Fury und die Mustang geflogen – eines Tages würde ich sehr gerne eine Spitfire fliegen.

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© Mirja Geh

In Anlehnung an Mark Twain würde ich sagen: „Es scheint sehr schwierig, wenn nicht unmöglich – genau deshalb werden wir es tun.“ Und wie Antoine de Saint-Exupéry sagte: „Mach dein Leben zu einem Traum und deinen Traum zur Wirklichkeit.“ 
 

Frédéric Akary
Frédéric Akary
Ehemaliger Air-France-Kapitän und Kunstflugpilot
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