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    © Miro Majcen

Die Kraft eines Jets, das Gefühl einer Legende

The Flying Bulls heißen die Canadair CL-13B Sabre Mk.6 willkommen – die einzige flugfähige in Europa

Es gibt Flugzeuge, die man bewundert. Und dann gibt es jene, die einen ein Leben lang begleiten. Für Frédéric Akary – ehemaliger Air-France-Kapitän, Kunstflugpilot und der Mann, der die Sabre für The Flying Bulls fliegen wird – gehört diese Maschine zur zweiten Kategorie. „Mein Traumflugzeug, seit ich zehn Jahre alt bin“, erklärt er. Mehr muss man dazu nicht sagen. 


Die Canadair CL-13B Sabre Mk.6 ist die letzte und leistungsstärkste Variante des meistproduzierten Jagdflugzeugs, das die westliche Welt je hervorgebracht hat. Fast 10.000 F-86 Sabres wurden für 33 Länder gebaut – mehr als doppelt so viele wie die Gesamtproduktion der modernen F-16. Und doch sind heute weltweit nur noch etwa zwölf flugtauglich. Diese ist die einzige in Europa. 
 

Gebaut für den Kampf – und nichts anderes

Die Geschichte der Sabre beginnt bei North American Aviation, demselben Unternehmen, das auch das Schulflugzeug T-6 und die legendäre P-51 Mustang entwickelte. Als die Ingenieure dort Ende der 1940er-Jahre einen Jet entwarfen, folgten sie derselben Philosophie: eine reine Luftkampfmaschine zu bauen. Große Querruder, eine breite Tragfläche, niedrige Überziehgeschwindigkeit, herausragende Rollrate. Keine Kompromisse in Richtung Bombereinsatz oder Mehrzweckfähigkeit. Nur ein Jäger, gebaut für den Kampf. „North American hat die P-51 gebaut, einen echten Luftkampfjäger“, erklärt Fred. „Dann entwarfen sie den ersten Jet mit genau demselben Ziel. Und nach der F-86 wurden Flugzeuge immer mehr zu Mischformen aus Jäger und Bomber – schwerer, weniger wendig. Die Mk.6 ist die letzte dieser reinen Linie.“ 

Kanadas Meisterstück 

Die Ingenieure von Canadair hatten ein klares Ziel: die bewährte Sabre-Zelle mit dem stärksten verfügbaren Triebwerk zu kombinieren. Das Ergebnis war das Avro Canada Orenda 14 – ein zweistufiges Turbojet-Triebwerk, vollständig in Kanada entwickelt, mit 7.275 Pfund Schub und damit rund 50 % mehr Leistung als die ersten amerikanischen F-86. In Kombination mit der weiterentwickelten „6-3“-Tragfläche mit Vorflügeln für exzellente Langsamflugeigenschaften wurde die CL-13B Sabre Mk.6 zum Flugzeug, das jeder NATO

Pilot fliegen wollte. Steigflug auf 10.000 Meter in rund fünf Minuten. Höchstgeschwindigkeit von 710 Meilen pro Stunde. Überlegen gegenüber allen anderen NATO-Jägern ihrer Zeit – und, wie Fred betont, mit mehr Tiefflug-Performance als viele heutige Trainingsjets.

„Man hat dieses fantastische Zellwerk und dazu einen sehr leistungsstarken Motor“, sagt er. „Und das Faszinierende: Es ist ein Kunstflugzeug. Voll kunstflugtauglich. Mit dem gleichen Flugbereich wie die P-51, aber mit zehnmal so viel Leistung.“ Dann fügt er das größtmögliche Kompliment hinzu: „Bob Hoover – einer der größten Displaypiloten, die Amerika je hervorgebracht hat – wurde einmal gefragt, welcher sein Lieblingsjet sei. Er sagte: ‚Die F-86 Sabre. Warum? Weil sie sich wie eine Spitfire fliegt.‘“ Für Fred sagt das alles. 

Ein Flugzeug, viele Leben 

Der jüngste Neuzugang der Flying Bulls verließ 1958 die Produktionslinie von Canadair – als eines der letzten gebauten Exemplare – und wurde an die deutsche Luftwaffe ausgeliefert. Dort war sie bei der Waffenschule 10 in Oldenburg im Einsatz, der Ausbildungseinheit für Sabre-Piloten. Das letzte Kapitel ihres deutschen Militärdienstes war das bemerkenswerteste: Sie war der Erprobungsstelle in Manching in Bayern zugeteilt und flog als Begleitflugzeug für die experimentelle VJ-101 – den Versuch Westdeutschlands, einen überschallschnellen Senkrechtstarter zu entwickeln. Eine Sabre, die bis zuletzt Schritt mit der Zukunft hielt.

Seit 2019 ist das Flugzeug in Avignon stationiert und wird von Frédéric Akary gewartet und geflogen – dem Piloten, der es nun auch für The Flying Bulls in die Luft bringen wird. Für ihn ist die Übergabe der Sabre an ein professionelles Team mit den Ressourcen des Hangar-8 kein Abschied, sondern ein Upgrade. „Ich fliege das Flugzeug weiterhin“, sagt er. „Und jetzt ist es in den bestmöglichen Händen.“ 

Warum nur noch zwölf? 

Fast 10.000 Sabres wurden gebaut. Warum fliegen heute weniger als ein Dutzend? Jahrzehntelang konzentrierte sich das Sammlerinteresse fast ausschließlich auf Flugzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg. Jets aus dem Koreakrieg fanden kaum Beachtung und wurden oft verschrottet, als Zieldrohnen genutzt oder einfach dem Verfall überlassen. Die Sabre fiel durch das Raster. Doch das beginnt sich zu ändern. Vintage-Jets werden immer beliebter – allen voran die F-86, die längst als Ikone gilt. In den kommenden Jahren sollen zwei weitere F-86 nach tausenden Stunden Restaurierungsarbeit wieder abheben.

Was die Mk.6 zu einer wirklich nachhaltigen Langzeitlösung macht – und was sie von nahezu allen späteren Jets unterscheidet – ist das Fehlen von Elektronik. Keine Platinen. Keine veralteten Bauteile, die nicht mehr zu beschaffen sind. Mit drei Containern voller Ersatzteile – darunter ganze Fahrwerkseinheiten und 12.500 Bremsbeläge – und einem Orenda-14- Triebwerk, das noch vollständig überholt werden kann, ist die Sabre für die Zukunft gebaut. Fred schätzt, dass sie noch 50 bis 60 Jahre flugtauglich bleiben könnte.

Was kommt als Nächstes?

Im Formationsflug der Flying Bulls öffnet sich ein neues Kapitel: Die Sabre schlägt die Brücke zwischen dem letzten großen Propellerjäger und einem der ersten ikonischen Jetfighter. Beide stammen aus derselben Schmiede: North American Aviation. Dieselben Ingenieure, dieselbe Philosophie und ein gewaltiger Technologiesprung. Solo wird die Sabre das Publikum in den Bann ziehen. In Formation mit den anderen Warbirds erzählt sie eine Geschichte in der Luft: wie sich die Jagdfliegerei innerhalb einer einzigen Generation grundlegend verändert hat. Für The Flying Bulls ist sie ein Schatz mit 67 Jahren Geschichte, einem außergewöhnlichen Piloten – und einer Zukunft, die gerade erst beginnt.