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    © Colin Kerrigan / Red Bull Content Pool

Welcome back!

Zwei Flugzeuglegenden und ihre Reise über den Atlantik

Die DC-6 zieht am Empire State Building und an der Freiheitsstatue vorbei. Für die Ewigkeit festgehalten wird der Moment mit einer Analogkamera aus derselben Ära: einer Bolex H-16 auf Kodak-Film. Es sind epische Bilder wie diese, die die DC-6 und P-38 Lightning von ihrer mit Spannung erwarteten USA-Reise mit nach Hause nehmen: einem Abenteuer, das über viele Monate akribisch geplant, von tausenden Fans herbeigefiebert und mit viel Emotion und Geschichte verknüpft worden war.

Was als lang gehegter Traum begonnen hatte, war im Sommer 2026 Realität geworden: The Flying Bulls waren erstmals mit zwei ihrer Aushängeschilder auf und über US-amerikanischem Boden unterwegs. Über geografische Distanzen hinaus war es vor allem eine Zeitreise, die die beiden Legenden angetreten hatten. Die DC-6 war nicht mehr in den USA gewesen, seit sie im Jahr ihrer Fertigstellung 1958 das Werk in Santa Monica verlassen hatte. Die P-38 glänzte in ihrem früheren Leben als „White Lightning“ bei den Reno Air Races. Jetzt hieß es erstmals: Welcome back!

Und plötzlich Amerika unter den Tragflächen

Die Rückkehr nach Jahrzehnten fand genau so statt, wie sie gedacht war: nicht als Ausstellungsstücke, sondern mit laufenden Motoren und Menschen an Bord. Am 7. Juli machte sich die DC-6 von Salzburg aus in drei Etappen inklusive Übernachtungen in Reykjavik und Goose Bay in Richtung Westchester County Airport in New York State auf den Weg. Die P-38 startete ihre Reise von England aus, wo sie zuvor Airshows geflogen war, und absolvierte die Atlantiküberquerung mit einigen mehr Zwischenstopps als die DC-6. Schon die Anreise in die USA machte klar, welche Wirkung die beiden Maschinen entfalten würden. Menschen blieben stehen, um sie zu fotografieren. Luftfahrtfans verfolgten ihre Routen online. Die DC-6 wurde zeitweise sogar zum meistverfolgten Flug weltweit auf Flightradar24. 

If I can make it there, I’ll make it anywhere

Der erste große Moment der Reise wartete in New York City. Freiheitsstatue, Freedom Tower, Empire State Building und Central Park zogen an den Fenstern der DC-6 vorbei – eine 68 Jahre alte amerikanische Flugzeuglegende über einer der bekanntesten Skylines der Welt. Für die Passagiere war es eine Zeitreise. Für die Crew war es ein Moment, auf den sie selbst lange gewartet hatte. Die DC-6 wurde in New York zum fliegenden Treffpunkt für Menschen aus der Welt von Sport, Kultur und Fliegerei. Gemeinsam mit den New York Red Bulls wurde sogar Fußball in die Kabine gebracht: In der historischen Maschine entstand kurzerhand ein kleines Spielfel, passend zur laufenden Fußball-Weltmeisterschaft.

Premiere in Oshkosh

Dann ging es weiter nach Wisconsin. Nach Oshkosh. Wer noch nie dort war, kann sich schwer vorstellen, was hier Ende Juli passiert. EAA AirVenture ist keine Airshow, zu der man für ein paar Stunden fährt. Es ist eine Woche, in der sich praktisch die ganze Welt der Fliegerei in dieser kleinen Stadt versammelt. Zehntausende Menschen kommen dort zusammen und verwandeln das weitläufige Gelände in den wahrscheinlich größten Campingplatz der Welt, wenn sie neben ihren eigenen Flugzeugen ihre Zelte aufschlagen. Oshkosh wird für eine Woche zum Nabel der Welt für Luftfahrtfans: Hier wird gefachsimpelt, gestaunt, geflogen und gefeiert.

Klassentreffen der Superlative

2026 kamen 734.000 Besucher aus 98 Ländern nach Oshkosh, mehr als 10.000 Flugzeuge erreichten die Flughäfen der Region. 2.851 Maschinen wurden auf dem Gelände ausgestellt. Dazu kamen rund 6.000 Volunteers, mehr als 1.600 Vorträge, Workshops und Präsentationen. Ein Rekordjahr für ein Event, das EAA nicht ohne Grund „The World’s Greatest Aviation Celebration“ nennt. 

Für The Flying Bulls war es der erste Auftritt. Und damit ein ziemlich besonderer. Die DC-6 und die P-38 standen auf der Boeing Plaza, mittendrin in dieser gewaltigen Versammlung der Luftfahrt, und flogen Displays im Airshow-Programm. Für Chefpilot Raimund Riedmann war der Auftritt der beiden Maschinen eines der großen Highlights der gesamten Reise. Doch noch stärker blieb ihm die Reaktion der Fans in Erinnerung: „Das Feedback vom Publikum in Oshkosh war gewaltig.“ Nach der Landung war der Arbeitstag längst nicht vorbei. Drei, vier Stunden beantwortete die Crew noch Fragen, teilte Geschichten und ließ sich von den Menschen erzählen, was die Maschinen für sie bedeuten.

Spektakuläre Manöver über der „Windy City“

Insgesamt absolvierte die DC-6 auf der dreiwöchigen US-Tour 20 Flüge mit rund 500 Passagieren. Auch in Chicago wurde die historische Maschine zur Bühne für besondere Erlebnisse. Partner, Medienvertreter und Creator konnten einen Rundflug in einer echten Ikone der Luftfahrt genießen, mit der Skyline der „Windy City“ unter den Tragflächen und dem Klang von vier Pratt-&-Whitney-Motoren in den Ohren. Kunstflugfans kamen genauso auf ihre Rechnung. Red Bull Air Force Pilot Kevin Coleman flog eine spektakuläre Spirale hinter der DC-6 und machte die 68 Jahre alte Maschine zum fliegenden Zeitzeugen: 1958 trifft auf die Gegenwart, ruhiger Kolbenmotor auf moderne Aerobatik.

Nach dem großen Auftritt: Heimflug nach Europa

So beeindruckend die Bilder auch später aussehen mögen: Für die Crew sind tausende Kilometer über dem Atlantik und eine umfangreiche US-Tour keine Postkartenreise. Es sind lange Flugstunden, wechselnde Bedingungen, präzise Planung und zwei historische Flugzeuge, die zuverlässig funktionieren müssen. Dass am Ende beide Maschinen die gesamte Tour ohne größere technische Probleme absolvierten, gehört deshalb zu den Erfolgen, auf die das Flying Bulls Team besonders stolz ist. Über England, Island und Neufundland führte die abenteuerliche Reise nach Nordamerika. Auf dem Rückweg ging es für die beiden Flugzeug-Ikonen wieder über den Nordatlantik zurück nach Europa. Für Raimund Riedmann bleibt eine Etappe in ganz besonderer Erinnerung: „Beim Flug über Grönland lag unter der Lightning schier endloses Eis. Diese Landschaft mit ihrer ganz eigenen Schönheit ist selbst für Piloten, die schon viel gesehen haben, faszinierend und schwer in Worte zu fassen.“ 

Bilder, die bleiben

Die DC-6 vor den Skylines von New York City und Chicago. Die P-38 über Grönland. Ausnahmezustand in Oshkosh. Und dazwischen tausende Kilometer Atlantik. Es sind Bilder, die bleiben. Ebenso wie die Begegnungen mit Menschen, die diese Flugzeuge auf der anderen Seite des Ozeans zum ersten Mal live erleben durften. Für The Flying Bulls war die USA-Reise deshalb weit mehr als ein großer Eintrag im Logbuch. Sie haben ihre Flugzeuge nicht einfach nach Amerika geflogen. Sie haben sie dorthin zurückgebracht, wo ihre Geschichten begonnen haben, und ihnen gleichzeitig ein neues Kapitel geschenkt. Willkommen zurück – in den USA und in Salzburg.