Q&A Philipp Haidbauer

Alpha Jet Pilot

1. Wie kamst du dazu, bei den Flying Bulls den Alpha Jet zu fliegen?

2008, noch während meiner aktiven Zeit als Militärpilot als ich hauptsächlich Saab105 flog, begann ich, bei den Flying Bulls die Boeing Stearman zu fliegen. Mit einem Fuß im Hangar der fliegenden Bullen und dem anderen noch beim Überwachungsgeschwader der österreichischen Luftstreitkräfte hat dann wohl einfach das Eine zum Anderen geführt…

2. Kannst du die Flüge im Alpha Jet überhaupt genießen oder musst du die ganze Zeit konzentriert und fokussiert sein?

Das kommt auf den Zweck des Fluges an. Auf Überführungsflügen kann man mehr oder weniger 100 Prozent der Zeit genießen - solange man nicht aufgrund von schlechtem Wetter beschäftigt ist.

Präsentiert man hingegen den Alpha Jet auf einer Airshow, muss man stets voll konzentriert sein. Es gibt halt nur wenig Spielraum für Fehler bei Flugakrobatik, egal ob du allein oder in einer Formation unterwegs bist. Zudem muss man stets bereit sein, allen störenden Einflüssen während der Performance entgegenzuwirken. Diese Aufgabe ist zwar äußerst herausfordernd, macht aber dennoch viel Spaß – und sobald man sicher am Boden ist, ist es wieder Genuss pur.

3. Dein Job hört sich ziemlich herausfordernd an. Gab es in deiner Karriere schon gefährliche Situationen, die beinahe ins Auge gegangen wären?

Ja, ich hatte mal einen Autounfall, als ich auf der Autobahn am Weg zum Luftwaffenstützpunkt war.

Aber Spaß beiseite: Ich glaube fest daran, dass mir nichts Besseres passieren hätte können, als meine Karriere als „Air Force Pilot“ zu beginnen, bevor ich „Airshow Pilot“ geworden bin. Missionen für die Luftraumverteidigung, Luftraumüberwachung oder Luft-Boden-Angriffe zu planen sowie hunderte Luftkampf-Missionen vorzubereiten und zu fliegen, ist wahrscheinlich der beste Weg, um ein richtig gutes Verständnis für “Risikomanagement“ zu bekommen – und mehr braucht man nicht, um gefährliche Situationen zu meistern, bevor sie überhaupt entstehen.

4. Was ist die größte Herausforderung beim Fliegen des AlphaJets?

Ganz klar, all die einzigartigen, gemischten Formationen mit der B25, P38 und Corsair. Beim Fliegen in der großen Formation mit der B25 als Staffelführer geraten wir oft bei Wingovers durch die niedrige Geschwindigkeit, die hohen g-Kräfte und dem maximalen Schub ans Limit. Bei Barrel Rolls und dem Eintritt in Loopings gemeinsam mit der P38 und Corsair werden dann mehr die unterschiedlichen Beschleunigungen und Verzögerungen der Flugzeuge zum Problem – beim Sinkflug lassen wir die Motoren des Alpha Jets oft fast im Leerlauf laufen – und man muss sich bewusst sein, dass es bis zu zwei Sekunden lang dauert, um die Triebwerke anlaufen zu lassen, wenn man zusätzliche Leistung benötigt.

Am Ende reicht es also nicht, nur die Flugeigenschaften des Alpha Jets zu kennen - man muss auch viel über die Flugeigenschaften und Fähigkeiten aller anderen Flugzeuge in der Formation Bescheid wissen.

5. Dein schönstes Erlebnis als Flying Bulls Pilot?

...hm?... da gibt es viele! Aber vielleicht mein erster Alleinflug mit der Stearman im Spätsommer 2008. Damals bin ich nur schnelle Militärjets geflogen, aber nach diesem Flug hab ich gewusst - historische Flugzeuge zu fliegen, das ist meine Welt! :)

6. Was hält dich motiviert / wie schaffst du es, dass dein 'Job' nicht eintönig wird?

Wenn es einen Job in der Luftfahrt gibt, der nie eintönig wird, ist es der eines Piloten bei den Flying Bulls. Zwei Hangars voll mit verschiedensten phänomenalen Flugzeugen, und all diese Prachtstücke der Luftfahrtgeschichte darfst du nicht nur über Flugplätzen präsentieren, sondern auch über dem Stadtzentrum von Budapest, über Seen...

7. Wann wirst du wieder eines deiner tollen Kunstflug-Videos machen?

Stefan Doblhammer und ich haben bereits darüber gesprochen. Das nächste wird höchstwahrscheinlich ein „Formation On-Board Video“, vielleicht schon am Ende dieser Saison. Also – dranbleiben ;)

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