Fairchild PT-19

Ein Wunder der Aerodynamik

Das Jahr 1939 sollte einen grundlegend neu entwickelten Primary Trainer hervorbringen, daher auch das Kürzel „PT“. Der neue PT, Primärtrainer für die fliegerische Grundausbildung von Airforce-Piloten, sollte die wendigen, aber auch widerstandsreichen und somit relativ langsamen Doppeldeckerdurch eine schnellere Maschine ersetzen.

Mit der PT-19 gelang der Fairchild Aviation Corporation der Durchbruch, einen Eindecker als Schulflugzeug beim Militär zu etablieren. Dieser Tandem 2-Sitzer war der erste Tiefdecker, welcher als Primary Trainer beim United States Army Air Corps (USAAC, dem Vorgänger der United States Air Force), der britischen Royal Air Force (RAF) und der Royal Canadian Air Force (RCAF) flog. Er war der Gegenentwurf zur schwereren und anspruchsvoller zu fliegenden Boeing Stearman PT-17, welche ebenfalls als Trainer eingesetzt wurde. Im Jahr des Erstfluges gewann der Trainer bei einem Wettbewerb des Air Corps in vielen fliegerischen Disziplinen und stellte über ein Dutzend andere Trainer in den Schatten. Sie alle konnten mit den erstklassigen Flugleistungen der PT-19 nicht mithalten. Dies war auf die aerodynamische Güte der PT-19 zurückzuführen, sprich ein geringerer Luftwiderstand, der durch die schlanke Flugzeugnase (Bug oder Cowling genannt), die übergangslose Verschmelzung von Rumpf- und Tragflächenunterseite und vor allem auch durch das Fehlen von Verspanndrähten und Streben erreicht wurde. So ist es weiter nicht verwunderlich, dass über 7000 Stück der PT-19 in den Folgejahren produziert und verkauft wurden.

In die erste Serie der PT-19 im Jahre 1940 wurde ein Motor der Ranger Aircraft Engine Division verbaut, der bei Fairchild produziert wurde. Der 170 kg schwere Reihensechszylinder Typ L-440 mit seinen luftgekühlten, hängenden Zylindern brachte in der ursprünglichen Version 175 PS. Dank der kompakten Motorkonstruktion konnte der Motorraum, d. h. die Flugzeugnase extrem schmal gebaut werden. Das brachte im Vergleich zu den großflächigen Sternmotoren, die wie eine Bremsklappe vor dem Flugzeugrumpf thronten, einen großen aerodynamischen Vorteil.

In den nächsten Modellen der PT-19 gab es auch bei den Motoren weitere Ausbaustufen. So sollte ab der dritten Motorengeneration (Ranger L-440-3) die Leistung des Antriebes kontinuierlich bis auf 200 PS steigen.

Die PT-19 der Flying Bulls wurde 1943 bei der US Army in Dienst gestellt. Sie trägt die Bezeichnung Fairchild PT-19 M-62A und ist das Modell mit dem 200 PS starken Ranger L-440-5 der fünften Generation. Im Jahre 1952 wurde das von vielen als „wunderschön“ bezeichnete Spornrad-Flugzeug von zwei begeisterten Privatpiloten gekauft und fortan nur noch von Zivilisten pilotiert.

55 Jahre nach der Auslieferung ging die PT-19 in das Eigentum eines Europäers, der das Schmuckstück schließlich in die Alte Welt überführte. So flog der offene Zweisitzer in Großbritannien, bis er 2007 in den Besitz der Flying Bulls gelangte.

Eine lange Restaurierung versetzte die alte Dame in den Neuzustand ihrer Jugend, obwohl sie im Jahr der Vollendung der aufwändigen Restauration 66 Jahre alt geworden war. Die gesamte Bordelektronik wurde getauscht, die originalen Instrumente restauriert, alle Leitungen gegen moderne Materialien gewechselt, der Motor perfekt überholt und last but not least erhielt sie ihr ursprüngliches Kleid zurück, die Lackierung des Schulflugzeugs aus den 40er Jahren.

Die PT-19 ist ein Trainer, auf dem unzählige Airforce-Piloten das Fliegen lernten. Durch ihre gutmütigen Flugeigenschaften und ihre Bauart als Tiefdecker (der Rumpf eines Tiefdeckers liegt auf der Tragfläche) ist er leichter zu starten und zulanden als die bis dato verwendeten Doppeldecker-Trainer, die den Flugschülern bei Start und Landung weder nach oben noch nach unten eine gute Sicht gewährten. So schaffte die Fairchild mit ihrem 200 PS-Motor satte 115 Knoten (212 km/h), was sie zum schnellsten und sicherlich auch ökonomischsten Primary Trainer ihrer Zeit machte.

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