Jubiläum einer Helikopter-Legende

„Ein irres Gefühl, wenn du in einem Hubschrauber sitzt, den du als einziger fliegen kannst“

Aus fliegerischer Sicht hat Siegfried "Blacky" Schwarz quasi alles erlebt: Einer Karriere als Helipilot in der Luftbildfotografie folgten Transport- und Rettungsflüge bei der Heli-Air und über 20 Jahre als Rettungsflieger beim ÖAMTC. Der heutige Hubschrauber-Chefpilot bei den Flying Bulls ist zweifacher Helikopter Freestyle World Champion und der einzige Österreicher mit einer zivilen Helikopter Kunstfluglizenz. Diesen Oktober feiert der Mann mit den 12.000 Flugstunden seinen 60. Geburtstag – ein Anlass, mit ihm zu sprechen.

1. Haben Sie aus Ihrer Sicht Ihren Traumberuf ergriffen?

SSCH: Absolut. Es ist sicher ein einzigartiger Job, der mit keinem auf der Welt vergleichbar ist. Als Kind waren Flugzeugmodelle aus Plastik meine große Leidenschaft. Im Grunde hatte ich das, was hier im Hangar-7 steht, als Modell. Hat man als Kind schon so einen Traum, ist das natürlich unvorstellbar, wenn man beim Hangar-7 rausschaut und da stehen die Flieger wirklich.

2. Könnten Sie sich eine Zukunft ohne Fliegen vorstellen?

SSCH: Ja, ich habe ja doch schon ein gewisses Alter. Ich habe 1977 mit dem Fliegen angefangen, das ist auch schon eine Zeit lang her. Auch habe ich genug andere Interessen abseits der Fliegerei. Aber natürlich das ist Fliegen ein großer Teil meines Lebens.

3. Wie sind Sie damals zum Fliegen gekommen?

SSCH: Ich war beim Militär Flugzeugwart auf der SAAB 105. Damals gab es beim Militär die Option, sich für eine gewisse Zeit zu verpflichten und im Gegenzug einen Teil der Zeit für eine Ausbildung zu verwenden. Irgendwann saßen ein Kollege und ich beisammen und kamen auf die Idee, den Pilotenschein zu machen. Mit Anfang 20 gehörte ich zu den ersten zivilen Hubschrauber-Flugschülern in Österreich. Davor gab es noch gar keine Flugschule.

4. Und was folgte dann?

SSCH: Es schlief alles wieder ein und der Schein lief ab, da keiner so genau wusste, wie es läuft. Nach der Ausbildung fuhr ich Taxi und ging mit dem Ersparten nach Amerika, wo ich den Pilotenschein erneut machte. So fing es im Grunde richtig an. In Amerika war’s insofern schwer, als es noch kein Internet und keine Informationen gab. Auch konnten wir fast kein Englisch. Das war ein harter Weg, aber es ist gut gegangen.
Zurück in Österreich erlebte die Luftbildfotografie gerade einen regelrechten Boom. Zuerst habe ich Flugbildaufnahmen gemacht, später kam ich zur Heli-Air in Innsbruck und flog mit dem Helikopter Transport- und Rettungsflüge. Außerdem habe ich bei der Bank eine Million Schilling Kredit aufgenommen und davon eine Flugschule in Graz eröffnet.

5. Haben Sie je mit dem Gedanken gespielt, beruflich etwas anderes zu machen?

SSCH: Nein, nie. Wenn man so lange in diesem Job ist, verlernt man irgendwie das "normale“ Arbeiten. Jedem, der einmal so einen Job hatte, fällt es danach schwer, acht Stunden am Tag richtig zu arbeiten. Ich war ja 21 Jahre bei der Flugrettung beim ÖAMTC und hatte immer 7 Tage Dienst, 7 Tage frei. Das gewöhnt man sich so an.

6. Welche Momente sind Ihnen in Erinnerung geblieben? Was waren die größten Herausforderungen?

SSCH: Ich erinnere mich an Transportflüge, wo ich einen Strommast auf Bolzen aufsetzen musste. Der war so schwer, dass ich für gerade mal fünf Minuten Sprit mit haben konnte. Dann gingen die vier Bolzen nicht rein. Ich schwebte da oben, die Maschine am Limit, das Spritlamperl leuchtet. (lacht) Beim Rettungsfliegen gab es natürlich viele Sachen, z.B. wenn wir jemanden aus der Gletscherspalte rausziehen mussten oder nachts von der Wand runterholen. Und natürlich die Highlights: Als wir zum Air Race nach Japan geflogen sind, flogen wir auf den Mount Fuji. Wer kann das schon?

7. Heuer feiern nicht nur Sie Ihren 60. Geburtstag, sondern auch die Bristol 171 Sycamore. Wie stehen Sie zu ihr?

SSCH: Meine größte Sorge waren immer die Rotorblätter aus Holz. 60 Jahre und zusammengeklebt, da muss man schon gewaltiges Gottvertrauen haben. An der TU Graz ließen wir die beiden ältesten Rotorblätter prüfen und es kam heraus, dass sie in perfektem Zustand waren. Da wurde mir schon etwas leichter!

 8. Wie sah Ihr Erstflug mit der Sycamore aus?

SSCH: Es war eine irrsinnige Challenge. Ich wusste, dass das Abheben heikel war und man mit dem Steuer einen Ausschlag nach rechts machen müsste. Doch keiner hatte mir gesagt, wie weit und wann ich das Steuer wieder zurückziehen muss. Beim ersten Abheben saß ich anfangs hinten mit dem Sporn auf, das muss wohl anfangs wild ausgesehen haben. (lacht) Auch ist es ein irres Gefühl, wenn du in einem Hubschrauber sitzt, den es auf der ganzen Welt nicht mehr gibt und den du als einziger fliegen kannst.

9. Welche Charakteristika hat die Sycamore aus Sicht eines Piloten?

SSCH: Eine Spezialität sind die Trimmräder. Je nach Flugzustand und Geschwindigkeit muss die Steuerung getrimmt werden, denn ohne Hydraulik wäre das ein enormer Kraftaufwand. Deshalb hat man Trimmräder, die man ständig betätigen muss, damit sie den Stick in die entsprechende Richtung ziehen. Das ist ziemlich aufwändig.

10. Was sind die Herausforderungen bei einem Flug mit der Sycamore?

SSCH: Man hat viel Arbeit, da die Steuerung mechanisch erfolgt. Das ist nicht so wie bei einem modernen Hubschrauber, wo alles ein Computer regelt. Man muss ständig auf die Rotor- und Motordrehzahl, die Geschwindigkeit, den Ladedruck und Anstellwinkel schauen. Das ist wie bei einem Oldtimer.

11. Ein Blick in die Zukunft: Was wünschen Sie sich?

SSCH: Einer meiner Träume wäre, dass wir bei den Flying Bulls eine Sikorsky S-58 bekämen. Das ist ganz ein toller Hubschrauber, der sich ideal für Rundflüge eignet. Irgendwann würde ich mir außerdem einen Nachfolger für den Eurocopter EC135 wünschen. Mein Hauptwunsch ist aber, dass die Cobra wieder fliegt.

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