Jährliche Wartung

an der Corsair

Wenn man an einem 70 Jahre alten Flugzeug arbeitet, muss man Fingerspitzengefühl beweisen. Und wenn auf etwas mehr als zehn Metern Länge auch noch knapp ein Kilometer Kabel ausgetauscht wird, dann muss man zusätzlich den Überblick bewahren. Alles natürlich kein Problem für die Techniker der Flying Bulls. In diesen Wochen wird an der Chance Vought F4U-4 "Corsair" gearbeitet.

Stets den Überblick behalten – dies ist besonders bei der jährlichen Inspektion wichtig. Hierfür ist Karl Hitsch der ideale Mann. Denn der erfahrene Flugzeugtechniker der Flying Bulls arbeitet mit seinen Kollegen eine Checkliste ab, welche ein hohes technisches Verständnis erfordert. Bei der Corsair steht diese große Überprüfung alle 50 Flugstunden oder nach einem Jahr an. Im Zuge dessen werden heuer die komplette Verkabelung getauscht, der Motor gründlich revidiert, sämtliche hydraulische Komponenten überprüft und viele Teile neu lackiert.

Zu Beginn der Inspektion wird der Motor von der Maschine abgenommen. Der Motor und die dazugehörige Halterung bilden eine Einheit, die als Quick Engine Change (QEC) bezeichnet wird. Diese wiegt rund eine Tonne und wird separat gewartet. Im Zuge des Verfahrens wird der Motor entlackt und auf Risse untersucht, zudem erhält der Auspuff eine neue Keramikbeschichtung.

Währenddessen wird an einem anderen Teil des Flugzeuges die Verkabelung getauscht. Die Techniker können dabei auf eine Art „Verkabelungshandbuch“ zurückgreifen, in welchem alle Systeme und Kabel verzeichnet sind. Allerdings ist darin nur der Ausgangs- und Endpunkt der Kabel beschrieben. Den Weg durch das Flugzeug müssen sich die Techniker selbst merken. Dabei wird auf einen einfachen Trick zurückgegriffen: „Bevor wir loslegen, haben wir im Inneren des Flugzeugs alles fotografiert. Anhand dieser Fotos wissen wir später, wie wir die Kabel, aber auch die hydraulischen Komponenten, wieder legen müssen.“

Die hydraulischen Komponenten wurden bereits vor ein paar Jahren komplett erneuert, dieses Jahr müssen nur einzelne Teile ausgetauscht werden. Als letzter Schritt folgt eine neue Lackierung der Maschine - auch im Inneren des Flugzeuges. Vier bis fünf Schichten des alten Lacks werden abgetragen, ehe eine neue Schicht aufgetragen wird.

Wenn alle Arbeiten an der Maschine abgeschlossen sind, wird der QEC wieder angeschlossen und die Corsair kann wieder starten. Mitte März sollte es so weit sein, denn da steht bereits das Trainingslager der Flyings Bulls in Marburg auf dem Programm.

Impressionen

Zum Anfang